Einspeisevergütung 2027: Warum sich eine PV-Anlage immer langsamer rechnet
Ab 2027 fällt die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen weg. Wir rechnen an einer 10-kWp-Anlage nach, wie lange die Amortisation heute wirklich dauert – und was ein höherer Preis für den Überschuss ändert.

Kurz gesagt: Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 beschlossen, die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen ab dem 1. Januar 2027 abzuschaffen. Die Debatte betrifft aber alle: Sie legt offen, wie wenig eine eingespeiste Kilowattstunde überhaupt noch wert ist. Wir haben nachgerechnet.
Was ab 2027 gilt
Der Regierungsentwurf zum EEG 2027 ersetzt die feste Einspeisevergütung durch die Direktvermarktung. Neue Anlagen bekommen stattdessen eine befristete Übergangszahlung von rechnerisch 5,2 Cent pro Kilowattstunde – gestaffelt nach Anlagengröße und ab 2031 ganz gestrichen. Beschlossen ist der Entwurf noch nicht; Bundestag, Bundesrat und EU-Kommission müssen erst zustimmen.
Zwei Dinge, die die Einspeisung zusätzlich aushöhlen
Bei negativen Börsenstrompreisen gibt es ab 2027 schon nach einer einzigen Stunde keine Vergütung – ausgerechnet an sonnigen Mittagen, wenn der Überschuss am größten ist. Und nach 20 Jahren fällt jede Anlage aus der Förderung: Danach zählt nur noch der Marktwert, und der liegt mittags im Sommer nahe null.
Was ist eine eingespeiste Kilowattstunde heute wert?

| Cent pro kWh | |
|---|---|
| Einspeisevergütung Neuanlage bis 10 kWp (2026) | 7,70 |
| Geplante Übergangszahlung ab 2027 | ca. 5,20 |
| Haushaltsstrom | ca. 31,00 |
| Öffentliches AC-Laden Rhein-Main, günstigster Tarif | ab 42,00 |
| Öffentliches AC-Laden Rhein-Main, üblicher Tarif | bis 74,00 |
Der Abstand ist das eigentliche Thema. Dieselbe Kilowattstunde, die Sie für 7,7 Cent abgeben, kostet Sie rund 31 Cent, wenn Sie sie abends zurückkaufen. Und das Auto Ihres Nachbarn lädt sie an der öffentlichen Säule im Rhein-Main-Gebiet für 42 bis 74 Cent.
Und der Strompreis kennt seit Jahren nur eine Richtung. Jede Preiserhöhung vergrößert genau diesen Abstand: Was Sie einspeisen, bleibt bei 7,7 Cent, was Sie zurückkaufen, wird teurer.
Direktvermarktung ist für kleine Anlagen bislang kaum ein Ausweg: Es fehlen flächendeckend Smart Meter, und die Vermarktungskosten können einen großen Teil der Erlöse aufzehren.
Rechenbeispiel: Wann amortisiert sich eine 10-kWp-Anlage?

Nehmen wir eine typische Anlage auf einem Einfamilienhaus im Rhein-Main-Gebiet.
Annahmen
| Position | Wert |
|---|---|
| Anlagengröße | 10 kWp |
| Kosten inkl. Montage | 14.000 € |
| Jahresertrag | 10.000 kWh |
| Eigenverbrauch ohne Speicher | 2.800 kWh (28 %) |
| Einspeisung | 7.200 kWh |
| Strompreis Haushalt | 31,1 ct/kWh |
| Einspeisevergütung | 7,7 ct/kWh |
| Betriebskosten (Versicherung, Wartung) | 140 €/Jahr |
Jährlicher Ertrag
| Rechnung | Betrag | |
|---|---|---|
| Ersparnis durch Eigenverbrauch | 2.800 × 0,311 € | 871 € |
| Einspeisevergütung | 7.200 × 0,077 € | 554 € |
| abzüglich Betriebskosten | −140 € | |
| Summe | 1.285 € |
Amortisation: 14.000 € ÷ 1.285 € ≈ 10,9 Jahre
Fast elf Jahre – und das noch ohne Speicher, der die Investition um weitere 5.000 bis 8.000 Euro erhöhen würde. Steigende Strompreise machen die Rechnung mit der Zeit etwas besser, aber nur beim Eigenverbrauch: Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen, statt sie für 7,7 Cent abzugeben, wird wertvoller. Der Überschuss dagegen bleibt bei 7,7 Cent.
Für eine Neuanlage ab 2027 mit 5,2 Cent Übergangszahlung, die zudem nach drei Jahren ausläuft, wird die Rechnung noch ungemütlicher.
Woran es liegt
Schauen Sie sich die Zahlen noch einmal an. 72 Prozent des erzeugten Stroms gehen ins Netz und bringen 43 Prozent des Ertrags. Der kleinere Teil, den Sie selbst verbrauchen, trägt den größeren Teil der Wirtschaftlichkeit.
Das ist der ganze Hebel: Nicht die Anlage ist zu teuer, sondern der Überschuss ist zu billig.
Was ändert sich, wenn der Überschuss mehr wert ist?
Genau hier setzt Sonnendose an. Wir bringen Menschen mit PV-Überschuss und Fahrerinnen und Fahrer zusammen, die ihr E-Auto laden möchten – in derselben Nachbarschaft, in denselben Mittagsstunden, in denen ohnehin zu viel Strom da ist.

Der Überschuss zu 25 statt 7,7 Cent
So sieht der Hebel aus: Ihr Mittagsüberschuss geht nicht mehr für 7,7 Cent ins Netz, sondern an ein E-Auto in der Nachbarschaft – zu einem Preis, den Sie selbst festlegen. Rechnen wir es an unserem Beispiel durch, mit denselben 7.200 eingespeisten Kilowattstunden, jetzt zu 25 Cent.
| Rechnung | Betrag | |
|---|---|---|
| Ersparnis durch Eigenverbrauch | unverändert | 871 € |
| 7.200 kWh Überschuss zu 25 ct | 7.200 × 0,25 € | 1.800 € |
| abzüglich Betriebskosten | −140 € | |
| Summe | 2.531 € |
Amortisation: 14.000 € ÷ 2.531 € ≈ 5,5 Jahre
Statt 554 Euro Einspeisevergütung stehen jetzt 1.800 Euro auf der Einnahmenseite – die Anlage ist doppelt so schnell bezahlt. Über 20 Jahre sind das rund 25.000 Euro mehr als mit der Einspeisung. Wer 30 Cent nimmt, ist bei 4,8 Jahren.
Sie müssen den Überschuss dafür nicht auf einen Schlag komplett abgeben: Jede Kilowattstunde, die in der Nachbarschaft bleibt, statt für 7,7 Cent ins Netz zu gehen, zieht die Amortisation nach vorn. Die 5,5 Jahre sind das Ziel, auf das Sie zusteuern, sobald in Ihrer Nähe regelmäßig geladen wird.
Eine Modellrechnung bleibt es trotzdem, kein Versprechen: Was am Ende zusammenkommt, hängt davon ab, wer in Ihrer Straße ein E-Auto fährt. Deshalb starten wir bewusst in einer Region – Mainz, Wiesbaden, Frankfurt und Umgebung.
Wie funktioniert das konkret?

- Sie tragen Ihren Ladeplatz ein. Steckdose im Hof, CEE-Dose in der Garage oder Wallbox – alles zählt. Fünf Minuten, kostenlos.
- Ihre Adresse bleibt verborgen. Auf der Karte erscheint nur ein verschobener Kreis und die Straße ohne Hausnummer. Sichtbar wird die genaue Adresse erst, wenn Sie eine Anfrage selbst bestätigen.
- Sie bestimmen, wann. Zum Beispiel werktags von 10 bis 16 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht und der meiste Überschuss anfällt.
- Vereinbart wird eine feste Summe für ein Zeitfenster. Der Cent-Betrag pro Kilowattstunde ist dabei nur die Rechengrundlage – gemessen und abgerechnet wird nicht nach Zähler. Das erspart beiden Seiten Eichrecht und Technik.
- Kein Geld über die Plattform. Sie klären die Zahlung direkt miteinander, wie bei Kleinanzeigen. Wir sind der Ort, an dem Sie sich finden.
Sie müssen sich übrigens nicht sofort entscheiden. Sie können Ihre Steckdose auch nur eintragen, ohne einen Preis zu nennen – und sehen, wie viele Fahrer in Ihrer Nachbarschaft darauf warten.
Was Energy Sharing über das öffentliche Netz davon unterscheidet – und warum es für das Auto Ihres Nachbarn gar nicht nötig ist – steht im Artikel Energy Sharing 2026: Solarstrom mit Nachbarn teilen.

Häufige Fragen
Verliere ich meine Einspeisevergütung, wenn ich mitmache? Nein. Sie speisen weiterhin ein wie bisher. Sie geben lediglich einen Teil des Überschusses an jemanden ab, der direkt vor Ihrem Haus steht, statt ihn ins Netz zu schicken.
Werde ich damit zum Stromversorger? Nein. Rechtlich handelt es sich nicht um eine Stromlieferung, sondern um die Überlassung eines Stellplatzes mit Stromzugang. Seit dem 1. Januar 2025 regelt § 5a StromStG zudem ausdrücklich, dass der Betreiber des Ladepunkts der Steuerschuldner ist – nicht der Fahrer.
Brauche ich einen geeichten Zähler? Nein. Weil eine feste Summe für ein Zeitfenster vereinbart wird und nicht nach gemessenen Kilowattstunden abgerechnet wird, greift das Eichrecht nicht.
Muss ich Fremde auf mein Grundstück lassen? Nur wenn Sie es wollen. Jede Anfrage bestätigen Sie einzeln, und Sie sehen vorher Fahrzeug, Kennzeichen und Bewertungen. Wer die Karte nur beobachten will, trägt seinen Ladeplatz ohne Preis ein.
Was kostet Sonnendose? Nichts. Es gibt keine Gebühren, keine Provision und keine Zahlungsabwicklung über die Plattform.
Was Sie jetzt tun können
Sie haben eine Anlage und Überschuss? Tragen Sie Ihren Ladeplatz ein. Die Karte öffnet, sobald genug Ladeplätze in der Region eingetragen sind – wer jetzt dabei ist, ist von Anfang an sichtbar.
Sie planen eine Anlage? Rechnen Sie mit dem Verlustrechner durch, wie viel Sie pro Jahr an das Netz verschenken – und was ein höherer Preis für den Überschuss ändert.
Sie fahren elektrisch ohne eigene Lademöglichkeit? Tragen Sie sich für Ihre Nachbarschaft ein. Jeder Eintrag zeigt einem Anlagenbetreiber in Ihrer Straße, dass jemand wartet.
Alle Angaben ohne Gewähr. Der Regierungsentwurf zum EEG 2027 ist noch nicht verabschiedet; Änderungen im Gesetzgebungsverfahren sind möglich. Dieser Artikel ist keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.