Energy Sharing 2026: Solarstrom mit Nachbarn teilen – was wirklich geht

Seit Juni 2026 dürfen Sie Solarstrom über das Netz mit Nachbarn teilen. Wir erklären einfach, was dafür nötig ist, warum es in der Praxis noch hakt und welche Wege es heute gibt.

Zwei Nachbarhäuser, eines mit Solaranlage, davor lädt ein Elektroauto

Kurz gesagt: Seit dem 1. Juni 2026 dürfen Sie Solarstrom über das öffentliche Netz an Ihre Nachbarn weitergeben. Das Gesetz ist da – die Technik und die Abläufe meist noch nicht. Wer heute teilen will, hat je nach Situation andere, einfachere Wege.

Was ist Energy Sharing?

Sie haben eine Solaranlage und erzeugen mittags mehr Strom, als Sie selbst brauchen. Bisher blieb Ihnen dafür vor allem die Einspeisung ins Netz. Energy Sharing erlaubt Ihnen nun, diesen Überschuss gezielt einem Nachbarn zuzuordnen – rechnerisch, über das öffentliche Stromnetz.

Geregelt ist das im neuen § 42c des Energiewirtschaftsgesetzes. Teilen dürfen Privatleute, kleine Unternehmen, Kommunen und Genossenschaften, wenn alle im selben Netzgebiet liegen.

Warum es in der Praxis noch hakt

Die Idee ist einfach. Die Umsetzung ist es noch nicht.

Alle brauchen einen Smart Meter. Die Anlage und jeder, der mitmacht, brauchen einen intelligenten Zähler, der den Verbrauch viertelstündlich misst. Ende 2025 hatten nur rund 5,5 Prozent aller Anschlüsse in Deutschland so ein Gerät.

Viele Netzbetreiber sind nicht so weit. Sie müssen die Abrechnung technisch erst ermöglichen. Mehrere Netzbetreiber planen das erst für 2027. Die Bundesnetzagentur hat im Frühjahr 2026 bereits zahlreiche Verfahren gegen säumige Netzbetreiber eingeleitet.

Es ist kaum günstiger. Geteilter Strom fließt durch das öffentliche Netz. Dafür fallen die vollen Netzentgelte, Umlagen und Steuern an – das Gesetz sieht keine Vergünstigung vor. Für eine kleine Anlage auf einem Einfamilienhaus lohnt sich Energy Sharing deshalb 2026 in den meisten Fällen noch nicht.

Es braucht Verträge. Zwischen den Beteiligten und mit dem Stromlieferanten sind eigene Vereinbarungen nötig.

Fachleute rechnen damit, dass Energy Sharing erst in einigen Jahren alltagstauglich wird – wenn Smart Meter verbreitet sind und die Abläufe stehen.

Die Möglichkeiten im Überblick

Was es ist Smart Meter Heute nutzbar Für wen
Einspeisen Überschuss ins Netz, feste Vergütung nein ja alle
Energy Sharing Strom über das Netz an Nachbarn ja, bei allen meist noch nicht Nachbarn im selben Netzgebiet
Mieterstrom Strom an Mieter im selben Haus je nach Modell ja Vermieter von Mehrfamilienhäusern
Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung Strom an Parteien im selben Haus, einfacher als Mieterstrom je nach Modell ja Mehrfamilienhäuser
E-Auto laden beim Nachbarn Nachbar lädt sein Auto an Ihrer Steckdose nein ja alle mit Stellplatz

Mieterstrom und Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung funktionieren nur innerhalb eines Gebäudes. Wer ein Einfamilienhaus hat und den Nachbarn nebenan versorgen will, kommt damit nicht weiter.

Zwei Wege im Vergleich: Energy Sharing über das öffentliche Netz und das direkte Laden beim Nachbarn Vergleich: Energy Sharing über das öffentliche Netz mit Smart Metern und Netzbetreiber, gegenüber dem direkten Laden eines Autos auf dem eigenen Grundstück Energy Sharing Haus mit PV Smart Meter öffentliches Netz Smart Meter Nachbarhaus Netzbetreiber Netzentgelte E-Auto laden beim Nachbarn Haus mit PV Steckdose E-Auto auf Ihrem Grundstück kein öffentliches Netz

Für das E-Auto: der einfachste Weg

Einen Fall gibt es, für den Sie Energy Sharing gar nicht brauchen: wenn Ihr Nachbar ein Elektroauto hat.

Dann muss der Strom nicht durch das öffentliche Netz. Das Auto steht auf Ihrem Grundstück, lädt an Ihrer Steckdose, und der Solarstrom fließt direkt von Ihrem Dach in die Batterie.

Das bedeutet:

  • Kein Smart Meter nötig. Eine gewöhnliche Steckdose reicht.
  • Kein Netzbetreiber beteiligt. Sie müssen nicht warten, bis er so weit ist.
  • Keine Netzentgelte auf den Solarstrom, der Ihr Grundstück nicht verlässt.
  • Heute möglich, nicht erst in einigen Jahren.

Rechtlich ist das keine Stromlieferung, sondern die Überlassung eines Stellplatzes mit Stromzugang. Vereinbart wird eine feste Summe für ein Zeitfenster.

Was das für Zähler, Stromsteuer und die eigene Anlage bedeutet, steht ausführlich im Artikel Einspeisevergütung 2027: Warum sich eine PV-Anlage immer langsamer rechnet.

Genau dafür gibt es Sonnendose – im Rhein-Main-Gebiet. Sie tragen Ihre Steckdose ein, Fahrer aus der Nachbarschaft fragen an, Sie bestätigen oder lehnen ab. Ihre Adresse bleibt verborgen, bis Sie eine Anfrage selbst bestätigen. Geld läuft nicht über die Plattform, Gebühren gibt es keine.

Ehrlich gesagt: Das ist kein Ersatz für Energy Sharing im Ganzen. Den Haushalt Ihres Nachbarn versorgen Sie damit nicht – nur sein Auto. Und es funktioniert nur, wenn in Ihrer Nähe jemand laden möchte.

Steckdose eintragen Ladeplatz in der Nähe finden

Häufige Fragen

Darf ich meinen Solarstrom an den Nachbarn verkaufen? Über das Netz: seit dem 1. Juni 2026 im Rahmen von Energy Sharing, sobald Smart Meter und Netzbetreiber bereit sind. Für das Laden eines Autos auf Ihrem Grundstück brauchen Sie Energy Sharing nicht.

Brauche ich für Energy Sharing einen Smart Meter? Ja. Die Anlage und alle Teilnehmer brauchen einen Zähler mit viertelstündlicher Messung.

Lohnt sich Energy Sharing für mein Einfamilienhaus? Stand 2026 meistens noch nicht, weil die vollen Netzentgelte anfallen. Das kann sich ändern, wenn die Regeln nachgebessert werden.

Ab wann kann ich Energy Sharing nutzen? Rechtlich seit dem 1. Juni 2026. Praktisch hängt es von Ihrem Netzbetreiber und Ihrem Smart Meter ab – fragen Sie dort nach.


Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Die Regeln zu Energy Sharing werden voraussichtlich noch nachgebessert. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Steuerberatung.

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